Übersicht Kreditsicherheiten

Übersicht Kreditsicherheiten: Vergibt eine Bank einen Kredit, möchte sie dafür Sicherheiten haben. Handelt es sich bei der Finanzierung um eine kleinere Summe über eine kurze Laufzeit, vereinbart sie zwar vertraglich keine Besicherung mit dem Kreditnehmer. Dennoch prüft sie seine Bonität und das Verhältnis zwischen seinen Einnahmen und Ausgaben – die so genannte Haushaltsrechnung. Der formal unbesicherte Blankokredit wird nur bei einem positiven wirtschaftlichen Ausblick des Kreditnehmers genehmigt.

Übersteigt die Kreditsumme eine gewisse Schwelle, die das Finanzinstitut selbst festlegen kann, steigt auch die Kreditlaufzeit regelmäßig in den mittel- und langfristigen Bereich. Hier wird jede Bank Sicherheiten verlangen, um das Ausfallrisiko zu senken. Dieses bezeichnet die Situation, in der der Kreditnehmer nicht mehr in der Lage ist, den Kredit ganz oder teilweise zurückzubezahlen. Die Differenz ist der Ausfall – sie muss der Kreditgeber abschreiben.

Neben unternehmerischen Gründen, die für die Risikobegrenzung sprechen, ist eine Bank gesetzlich verpflichtet Kreditanfragen ordentlich zu prüfen und abzusichern. Dies kann durch die folgenden Kreditsicherheiten geschehen:

 

Übersicht Kreditsicherheiten - Persönliche Sicherheiten - Realsicherheiten

Bild: Übersicht Kreditsicherheiten – Grundschuld bei Immobilienkredit
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Persönliche Kreditsicherheiten

a) Die Bürgschaft: Stellt sich ein Bürge für die Absicherung eines Kreditgeschäfts zur Verfügung, haftete er dafür. Bürgschaften können verschieden ausgestaltet sein. So ist eine Begrenzung auf ein bestimmtes Geschäft oder eine maximale Kredithöhe in einer bestimmten Laufzeit denkbar. Darüber hinaus wird im Kreditvertrag festgelegt, wann der Bürge in Anspruch genommen kann. Von der Bürgschaft auf erstes Anfordern bis zur Ausfallbürgschaft ist jede Variante möglich. Die erstere erlaubt es der Bank, die Zahlung vom Bürgen einzufordern bevor sie eine Zwangsvollstreckung beim Schuldner versucht hat. Die letztere Bürgschaft greift dagegen nur, wenn die Finanzierung ohne sie ausfallen würde, also alle rechtlichen Schritte und Sicherheiten bereits bemüht wurden.In der Praxis wird die Bürgschaft oft von nahen Verwandten des Schuldners bei der Finanzierung einer Immobilie oder der Existenzgründung gestellt. Da die Kreditsicherheit aus der Bürgschaft im Bürgen persönlich begründet ist, muss die Bank seine Bonität und sein Vermögen ebenso umfangreich prüfen wie bei dem Schuldner selbst.

b) Bürgschaftsähnliche Kreditsicherheiten: Sie sind der Bürgschaft sehr ähnlich, weißen jedoch weniger umfangreiche Pflichten für den Bürgen auf. Hierzu gehören die folgenden Varianten:

c) Die Garantie: Sie findet in erster Linie zwischen international tätigen Unternehmen statt. Analog zur Bürgschaft gibt der Garant dem Garantienehmer das verbindliche Versprechen, das Geschäft mit dem Garantiegeber abzusichern. Dabei sind diverse Ausgestaltungen üblich. Ein Beispiel hierfür ist die Bietungsgarantie, bei der der Garant dafür haftet, dass der Schuldner seinen Kredit ordnungsgemäß zurückzahlt. Ansonsten geht die Forderung auf den Garanten über. Häufig muss er darüber hinaus eine Vertragsstrafe in Kauf nehmen. Eine weitere, häufige Form ist die (An-) Zahlungsgarantie, die einen Abnehmer für den Fall absichert, dass der Lieferant nicht in der Lage ist seine Pflichten zu erfüllen.

d) Bei der Schuldmitübernahme tritt ein Dritter dem Schuldner im Kreditvertrag bei. Sie gleicht der selbstschuldnerischen Bürgschaft. Im Gegensatz zu dieser haften der Schuldübernehmer und der Schuldner als gesamtschuldnerische Gemeinschaft. Das bedeutet, dass beide unabhängig voneinander von der Bank zur vollständigen Zahlung aufgefordert werden können.

e) Bei einem Kreditauftrag erteilt der Auftraggeber der Bank die Weisung, dem Schuldner eine Finanzierung in seinem Namen zu genehmigen. Der Auftraggeber nimmt in der Folge die Position eines Bürgen ein.

f) Die Patronatserklärung kommt bei der Finanzierung von Konzernen zum Einsatz. Hierbei verpflichtet sich der Mutterkonzern gegenüber der Bank, für die Zahlungsfähigkeit ihrer Tochtergesellschaft zu sorgen. Die Patronatserklärung ist also in der Regel weder im Zeitraum noch in der Kredithöhe begrenzt.

 

Realsicherheiten

Im Gegensatz zu den oben ausgeführten persönlichen Kreditsicherheiten, bieten Realsicherheiten die Absicherung eines Kredits über Sachen. Diese umfassen:

a) Die Grundschuld ist in der Immobilienfinanzierung die Kreditsicherheit der Wahl. Hierbei lässt sich die finanzierende Bank eine Grundschuld in das Grundbuch eintragen. Betraglich ist sie auf den Wert der Immobilie und des Grundstücks begrenzt. Die zeitliche Kreditsicherung ist jedoch, bis zur Löschung aus dem Grundbuch, unbegrenzt. Daher kann die bestehende Grundschuld einer abbezahlten Immobilie immer wieder als Kreditsicherheit für weitere Finanzierungen genutzt werden. Für den Kreditnehmer hat dies allerdings den Nachteil, dass er im Falle von Zahlungsschwierigkeiten sein Wohneigentum riskiert. Aus diesem Grund lassen die meisten Eigentümer zurückgezahlte Grundschulden schnellstmöglich löschen.

b) Im Gegensatz zur Grundschuld dient die Hypothek zur Absicherung eines konkreten Kreditgeschäfts. Es ist daher eine durch eine Immobilie und ein Grundstück gestellte Sicherheit, die sowohl in ihrer Höhe als auch in der Laufzeit begrenzt ist. Da sie nicht zwingend dazu dient, den Immobilienerwerb zu sichern, kann sie betraglich viel niedriger sein als der Beleihungswert des Hauses. Auf dem US-amerikanischen Markt ist es üblich, ein Haus bei Bedarf mit mehreren Hypotheken zu belasten, wogegen Hypotheken im deutschen Raum deutlich seltener genutzt werden als Grundschulden.

c) Die Bank kann sich von ihrem Schuldner Forderungen und andere Rechte zur Kreditsicherung abtreten lassen. Firmenkunden, die mit langen Zahlungszielen ihrer Kunden arbeiten, profitieren von der Forderungsabtretung als Kreditsicherheit. Sie können mit dem Verweis auf künftige Zahlungseingänge ihre aktuell benötigte Zahlungsfähigkeit sichern.

d) Bei der Verpfändung geht der Besitz der Kreditsicherheit an den Kreditgeber über. Als Pfand können alle werthaltigen Gegenstände verwandt werden, wie Schmuck, Kunst, Fahrzeuge, Wertpapiere, Sparverträge oder elektronische Geräte. Das geläufigste Beispiel für die Kreditabsicherung über die Herausgabe eines Pfandes sind Pfandhäuser. Diese haben den Pfandkredit zum Geschäftsmodell erhoben.

e) Anders als bei der Verpfändung, bleibt die Kreditsicherheit bei der Sicherungsübereignung im Besitz des Kreditnehmers. Sie ist in der Firmenfinanzierung eine übliche Absicherungsvariante. In der Praxis handelt es sich dabei um Gegenstände wie Maschinen oder Fahrzeuge, die oft an einer unauffälligen Stelle als sicherungsübereignet markiert werden. Der Kreditnehmer hat durch diese Absicherungart den Vorteil, dass er weiterhin einen Nutzen aus den Sachen ziehen kann. Die Bank setzt für die Sicherungsübereignung allerdings eine gute Versicherung und einen pfleglichen Umgang mit dem sicherungsübereigneten Gegenstand voraus, um übermäßige Wertminderungen zu vermeiden. Des Weiteren hat der Kreditnehmer die Pflicht, den Kreditgeber die Kreditsicherheit jederzeit besichtigen zu lassen. Bei problemlosen Krediten wird dieses Recht jedoch kaum genutzt, da es für alle Parteien einen Mehraufwand bedeutet.

 

Gebundene und freie Kreditsicherheiten

Bei der Absicherung von Krediten wird neben den beiden Sicherheitentypen (personell oder sachlich) und den jeweiligen Varianten eine weitere Unterscheidung vorgenommen: In akzessorischen abstrakten Sicherheiten. Akzessorische Sicherheiten sind an ein bestimmtes Kreditgeschäft gebunden. Hierzu gehören die Bürgschaft, die Verpfändung und die Hypothek. Abstrakte Kreditsicherheiten müssen nicht nur für eine einzelne Finanzierung verwandt werden, sondern können mehrere Kredite oder eine gesamte Geschäftsbeziehung besichern. Beispiele für freie Kreditsicherheiten sind die Grundschuld, die Garantie, die Patronatserklärung, die Forderungsabtretung und die Sicherungsübereignung.

 

Worauf achtet der Kreditgeber bei der Annahme von Sicherheiten?

Um das Ausfallrisiko aus einem Kredit mit einer Absicherung tatsächlich senken zu können, achtet die Bank auf verschiedene Aspekte. Diese sind:

Qualität:

Bei den persönlichen Sicherheiten sichert das Vermögen des Sicherungsgebers den Kredit ab. Daher prüft die Bank diesen ebenso gründlich wie den Kreditnehmer selbst. Sachsicherheiten werden in ihrem Wert geschätzt und mit einem Abschlag beliehen. Des Weiteren sollten sie über die Kreditlaufzeit keinen starken Wertverlust haben. Reale Kreditsicherheiten bieten dem Kreditgeber den Vorteil, dass sie im Falle einer Insolvenz aus dem Vermögen des Kreditnehmers abgespalten werden. Das bedeutet, dass ihr Wert nicht zuerst in die Insolvenzmasse eingeht, sondern sich der Gläubiger direkt daran befriedigen kann. Ob sich der beim Kreditabschluss zugrunde gelegte Wert als richtig erweist, zeigt die Zwangsversteigerung.

Überwachung:

Diese wurde bei der Sicherungsübereignung bereits erwähnt. Der Kreditgeber muss sich regelmäßig ein Bild davon machen, in welchen Zustand sich seine Sicherheit befindet. Bei verpfändeten Gegenständen ist dieser Vorgang einfach durch einen Gang in das hauseigene Archiv erledigt. Schwieriger gestaltet es sich bei verpfändeten Wertpapierdepots, die stark im Wert schwanken können. In der Regel wird hier ein Mindestdepotbestand vereinbart, unter den die Wertpapiere nicht fallen dürfen. Ansonsten droht eine Nachbesicherung mit weiteren Kreditsicherheiten. Sicherungsübereignete Gegenstände werden durch Außendienstmitarbeiter besichtigt, ebenso wie belastete Grundstücke. Liegt dem Kreditgeschäft eine persönliche Sicherheit zugrunde, kann die Bank eine aktuelle Vermögensaufstellung des Sicherheitengebers verlangen.

Verwertungsfähigkeit:

Sie ist ein Aspekt der Qualität einer Kreditsicherheit. Im Falle einer Insolvenz des Kreditnehmers, versucht die Bank die gestellten Sicherheiten so schnell wie möglich in Geld zu wandeln. Je nach dem, wie schwierig sich das Unterfangen bei der jeweiligen Kreditsicherheit gestaltet, wird ein Beleihungsabschlag vorgenommen. Dabei kann die tatsächliche Verwertbarkeit einer Sicherheit bei einer langen Kreditlaufzeit kaum prognostiziert werden. Kreditsicherheiten können durch äußere Umstände an Wert zu- oder abnehmen.

Hierzu ein Beispiel aus aktuellem Anlass: Durch die Niedrigzinspolitik seit der letzten Finanzkrise ist die Nachfrage nach Immobilien stark gestiegen. In der Folge entstand ein Anbietermarkt, der den Preis für Wohneigentum in die Höhe trieb. Wurde nun ein Immobilienkredit im Jahr 2000 mit einer Grundschuld abgesichert, ist der Wert der Sicherheit mit den Marktpreisen gestiegen. Bei einer Immobilienfinanzierung im aktuellen Marktumfeld ist eine solche Entwicklung eher unwahrscheinlich. Das selbe gilt für Sachsicherheiten, die der Mode unterworfen sein können. Hierzu zählen Fahrzeuge ebenso wie Schmuck und Kunst. Innerhalb einer teilwiese jahrzehntelanger Kreditlaufzeit kann die Nachfrage nach einem Objekt stark steigen oder abfallen. Zwar versucht die Bank diesem Risiko durch einen ausreichend großen Beleihungsabschlag zu begegnen. Dieser kann jedoch bis zur Verwertung nicht mehr als eine Schätzung sein.