Den Kredit umschulden – wann lohnt sich das?

Seit der Finanzkrise stagnieren die Kreditzinsen auf einem niedrigen Niveau. Bei einem Blick auf den aktuellen EURIBOR gerät mancher Verbraucher ins Staunen: Die Banken leihen sich das Geld untereinander sogar zu einem negativen Zins! Die kreditnehmende Bank muss folglich weniger zurückbezahlen, als sie ursprünglich bekommen hat. Da liegt der Gedanke nah, dass sich auch bei den eigenen Verbraucherkrediten Zinskosten einsparen lassen. Die Umschuldung ist hierfür das Mittel der Wahl.

Einen Privat- oder Autokredit umschulden

Für Privat- und Kraftfahrzeugkredite, die ab dem Jahr 2010 aufgenommen wurden, ist die Rechnung einfach. Bei diesen Verträgen ist die Vorfälligkeitsentschädigung gesetzlich auf maximal 1 % der Restschuld beschränkt. Bei einer unterjährigen Restlaufzeit darf sie nur 0,5 % betragen. Eine Umschuldung lohnt sich also, wenn sich mit einem Wechsel des Kreditinstituts und einem günstigeren Zins, abzüglich der Vorfälligkeitsentschädigung, Kosten einsparen lassen.

Beispiel

Der Kredit steht bei 5.000 Euro und hat eine Restlaufzeit von 5 Jahren. Der alte Zinssatz beträgt 8 % p. a. Ein anderes Kreditinstitut bietet an, den Kredit zu einem Zinssatz von 4 % umzuschulden.

Die Vorfälligkeitsentschädigung beträgt 1 % von 5.000 Euro = 50 Euro

Die Zinskosten über die Laufzeit, wenn der alte Kreditvertrag beibehalten wird, berechnen sich wie folgt:

 

Restschuld 5.000 Euro / Restlaufzeit 5 Jahre = jährliche Tilgung 1.000 Euro

Zinskosten Jahr 1: 5.000 * 0,00 8= 400 Euro

Zinskosten Jahr 2: (5.000 – 1.000) * 0,08 = 320 Euro

Zinskosten Jahr 3: (5.000 – 2* 1.000) * 0,08) = 240 Euro

Zinskosten Jahr 4: (5.000 – 3 * 1.000) * 0,08) = 160 Euro

Zinskosten Jahr 5: (5.000 – 4 * 1.000) * 0,08) = 80 Euro

 

In der Summe sind das 1.200 Euro, die der Kredit während der Restlaufzeit kostet. Kredite werden in der Regel monatlich zurückbezahlt. Daher ist die obige Rechnung nicht vollkommen genau. Sie eignet sich jedoch als Vorlage, um eigene Kreditkonditionen schnell überprüfen zu können.

Da das neue Kreditangebot um die Hälfte günstiger ist, fallen nur etwa halb so hohe Zinskosten an: 600 Euro. Daraus folgt eine Ersparnis von 600 Euro abzüglich der Vorfälligkeitsentschädigung. Durch die Umschuldung spart der Kreditnehmer 550 Euro über die gesamte Laufzeit.

Besondere Vorsicht ist bei Altverträgen geboten. Kreditverträge, die vor dem Jahr 2010 geschlossen wurden, haben keine gesetzlichen Maximalsätze für die Vorfälligkeitsentschädigung. Verbraucher, die einen solchen Kredit umschulden möchten, sollten sich vor der Kündigung über die Bedingungen einer vorzeitigen Rückzahlung informieren. Die Vertragsstrafe kann in Einzelfällen die Restschuld sogar übersteigen.

 

Das Immobiliendarlehen umschulden

Alle zehn Jahre haben sowohl der Kreditnehmer als auch seine finanzierende Bank die Möglichkeit, den Kredit zu kündigen. Der Schuldner kann sich ein anderes Finanzinstitut suchen, das ihm bessere Konditionen anbietet und damit den alten Kredit ablösen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt nicht an. Allerdings muss die Grundschuld übertragen werden. Dies verursacht Kosten für den Notar und das Grundbuchamt von 300 bis 600 Euro. Die Anschlussfinanzierung ist für Verträge, die 2017 auslaufen, sehr günstig. Im Jahr 2007 betrug der durchschnittliche Darlehenszinssatz mit zehnjähriger Zinsbindung 4,84 %. Aktuelle Angebote für Immobilienfinanzierungen beginnen bereits bei etwa 1 % p. a.

Soll der Kredit vor Ende der Zinsbindung umgeschuldet werden, gestaltet sich die Rechnung schwieriger. Anders als bei Privat- oder Fahrzeugkrediten gibt es keine gesetzlich gedeckelte Vorfälligkeitsentschädigung. Es obliegt der Bank, diese individuell für ihren Schuldner zu berechnen. Welche Faktoren sich auf die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung auswirken, haben wir bereits hier beschrieben: http://privatkapitalmarkt.de/vorfaelligkeitsentschaedigung/. Sie kann sich auf mehrere tausend Euro belaufen.

 

Immobilienfinanzierung - viele Wege führen zum Erfolg

Bild: Kredit umschulden – das ist zu beachten
Bildquelle: PEXELS – lizenzfreie Bilder

Wie funktioniert die Umschuldung?

  • Alte Kreditverträge prüfen: Die auslaufende Zinsbindung des Immobiliendarlehens oder ein bereits länger bestehender Privatkredit sind gute Anlässe, um die Konditionen zu prüfen. Besonders, wenn der Privatkredit nach 2010 aufgenommen wurde.
  • Vergleichsangebote einholen: Über Online-Vergleichsportale lassen sich Kreditangebote einfach vergleichen. Verbraucher bekommen eine Auswahl an Banken und Konditionen. Bei Immobiliendarlehen ist die Kreditprüfung umfangreicher. Daher wird der Kreditnehmer von verschiedenen Finanzinstituten kontaktiert. Sie errechnen anhand der vorhandenen Unterlagen im Zuge eines Beratungsgesprächs den individuellen Angebotszins.
  •  Vorfälligkeitsentschädigung in Erfahrung bringen: Bei Verbraucherkrediten die vor 2010 geschlossen wurden und bei Immobiliendarlehen gibt die Bank Auskunft über die voraussichtliche Vorfälligkeitsentschädigung. Diese Information sollte sich der Kreditnehmer schriftlich geben lassen.
  • Ersparnis prüfen: Der alte und der neue Kreditvertrag werden gegenübergestellt. Bei der Entscheidung müssen alle entstehenden Ausgaben für die Umschuldung berücksichtigt werden – beispielsweise die Notarkosten.
  • Neuvertrag abschließen und die Kreditauszahlung auf das Laufzeitende terminieren.
  • Altvertrag kündigen: Verbraucher sollten die Kündigungsfristen beachten und eine Kündigungsbestätigung anfordern.

Bei Privatkrediten: Die Bank muss eine Bestätigung über die erfolgte Kreditrückzahlung ausstellen. Im SCHUFA-Verzeichnis wird der Kredit als „erledigt“ markiert.

Bei Autokrediten: Die bisher finanzierende Bank muss den Fahrzeugbrief herausgeben. Mit diesem wird der neue Kredit besichert.

Bei Immobilienkrediten: Statt einer Löschung der Grundschuld, kann sie an den neuen Kreditgeber übertragen werden. Dieses Vorgehen ist hinsichtlich der Kosten für den Notar und das Grundbuchamt vorzuziehen. Voraussetzung hierfür ist eine Rückzahlungsbestätigung der bisher finanzierenden Bank.

 

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es für eine Umschuldung?

 Ein bestehender Kredit muss nicht zwangsläufig mithilfe einer Filial- oder Online-Bank umgeschuldet werden. Analog zum Abschluss eines neuen Kreditvertrags, stehen dem Kreditnehmer diverse Optionen offen. So kann er auch sein persönliches Umfeld oder einen Kredit von Privat in Anspruch nehmen. Für letztere haben sich in den vergangenen Jahren verschiedene Internetplattformen etabliert, die Kreditnehmer und Kapitalanleger zusammenführen. Der Kreditnehmer gibt hier seine persönlichen Angaben und den Kreditwunsch an.

Findet das Projekt ausreichend Geldgeber, wird die Kreditsumme auf das Girokonto ausgezahlt. Nun muss der Kreditnehmer das Geld auf seinem Kreditkonto gutschreiben lassen oder es selbst darauf überweisen. Die Rückzahlung sollte bestenfalls durch das bisherige Kreditinstitut begleitet werden. In der Praxis kommt es ansonsten häufiger zu Irritationen, da die Einzahlung nicht korrekt verbucht wird. Im Anschluss an die erfolgreiche Gesamttilgung zahlt der Kreditnehmer seinen neuen Kredit über den Vermittler zurück. Dieser quotelt die Raten auf die einzelnen Anleger und überwacht den Kapitalrückfluss.