Konsequenzen einer Insolvenz. Insolvent – was nun?

Das Leben kann sich unverschuldet schlagartig verändern. Plötzlich bringt eine Kündigung, eine Trennung oder eine Krankheit den gesamten Alltag durcheinander. Besonders spürbar sind die Umwälzungen dabei finanziell. Durch den Wegfall von Einkommen oder eine neue, große Zahlungsverpflichtung kann der bisherige Lebenswandel nicht mehr beibehalten werden. Die bisherigen Ausgaben sind jedoch häufig nicht schnell und flexibel anzupassen. Verträge haben feste Laufzeiten und Kündigungsfristen.

So kann es dazu kommen, dass sich das Defizit über die Monate anhäuft. Das Ersparte wird verbraucht und der Schuldenberg wächst. Hält dieses Missverhältnis an, ist es nicht mehr weit bis zur Insolvenz. Die Konsequenzen einer Insolvenz können heftig sein.

Konsequenzen einer Insolvenz - Kredit von Privat

Bild: Konsequenzen einer Insolvenz
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Was ist eine Insolvenz und welche Konsequenzen hat sie?

Neben dem Begriff der Insolvenz sind auch die Ausdrücke Zahlungsunfähigkeit oder Konkurs gebräuchlich. Dabei gilt: Wer seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen kann, ist insolvent. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen können eine Insolvenz anmelden.

a) Insolvenz bei Unternehmen

Im Jahr 2016 mussten in allein in Deutschland 21.500 Unternehmen eine Insolvenz anmelden. Dabei sind die anerkannten Insolvenzgründe eine bestehende oder eine drohende Zahlungsunfähigkeit sowie die Überschuldung. Bei der drohenden Zahlungsunfähigkeit ist es absehbar, dass die unternehmerischen Ausgaben, beispielsweise aufgrund fehlender Folgeaufträge, in der Zukunft nicht mehr beglichen werden können. Die Überschuldung zeigt sich in einem Missverhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung wie AGs und GmbHs sind die Geschäftsführer dazu verpflichtet, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen. Ansonsten riskieren sie eine Anklage wegen Insolvenzverschleppung. Ihre Gläubiger sind durch die, auf das Unternehmenskapital beschränkte Haftung, gefährdet bei einer Insolvenz einen großen Teil ihrer Forderung verlieren.

Ablauf des Insolvenzverfahrens
Bis das Gericht über den Insolvenzantrag entscheidet, werden Sicherungsmaßnahmen für das restliche Vermögen ergriffen. Diese sollen einerseits dafür sorgen, dass das Unternehmen weiterhin in Betrieb bleibt. Andererseits soll die Insolvenzmasse, also das verbliebene Vermögen, nicht weiter schrumpfen.

Bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt. Er erstellt eine Liste der Gläubiger und ihrer Forderungen. Danach entscheidet er, ob die weitere Geschäftstätigkeit eine Aussicht auf finanziellen Erfolg hat. Hat er keinen positiven Zukunftsausblick, wird das Unternehmen liquidiert. Alle Vermögensgegenstände werden verkauft und die Einnahmen mit dem verbliebenen sonstigen Vermögen verrechnet. Aus dieser Insolvenzmasse werden die Gläubiger befriedigt. Sie müssen sich in der Regel mit einer um einiges geringeren Rückzahlung zufriedengeben, als sie ursprünglich gefordert hatten.

Das Insolvenzverfahren wird mit der Verteilung der Insolvenzmasse abgeschlossen. Gläubiger, die nicht befriedigt werden konnten und weiterhin Forderungen gegen den Schuldner haben, können erneut Maßnahmen ergreifen um zu ihrem Geld zu kommen. Dies kann beispielsweise ein Titel zur Zwangsvollstreckung sein.

Ist der Geschäftsausblick positiv, wird der Insolvenzverwalter versuchen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Gläubiger werden dann aus den laufenden Einnahmen befriedigt.

Eine Restschuldbefreiung gibt es bei Unternehmen und Firmen nicht.

b) Konsequenzen einer Insolvenz von Privatpersonen

Die Amtsgerichte beschäftigen sich überwiegend mit Privatinsolvenzen. Im letzten Jahr stellten fast 78.000 Personen einen Antrag auf Privatinsolvenz. Der häufigste Grund ist die Überschuldung. Aus dieser ergibt sich in der Folge die Zahlungsunfähigkeit. Da Privatpersonen nicht dazu verpflichtet sind, einen Insolvenzantrag zu stellen, ist die finanzielle Situation bei ihnen häufig besonders verfahren. Das Verfahren erfolgt in vier Stufen:

I. Versuch der außergerichtlichen Einigung
Der Schuldner fordert von all seinen Gläubigern eine aktuelle Forderungsaufstellung an. Viele haben allerdings den Überblick über die Anzahl der Gläubiger und die Summe der offenen Rechnungen verloren. Ihnen kann eine Schuldnerberatung dabei helfen, die Gläubiger ausfindig zu machen. Sind die Forderungen schließlich bekannt, kann den Gläubigern ein Vergleich angeboten werden. In diesem bietet der Schuldner an, einen Teil der Forderung zu begleichen. Nimmt der Gläubiger das Angebot an, erlässt er ihm im Gegenzug seine Restschuld.

II. Das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren
Bei diesem werden die Forderungen und das Vermögen des Schuldners gegenübergestellt. In der Regel leistet er hierbei einen Offenbarungseid und bürgt für die Richtigkeit seiner Angaben. Alle Vermögenswerte werden berücksichtigt: Von Sparbüchern über Schmuck und Elektronik bis hin zu Fahrzeugen und Immobilien. Auf Basis dieser Übersicht wird ein Schuldenbereinigungsplan erstellt. Dieser teilt jedem Gläubiger einen Teil des Vermögens zu. Dieser hat nun die Möglichkeit, den Plan anzunehmen. Sind mindestens die Hälfte der Gläubiger einverstanden, wird das Schuldenbereinigungsverfahren durchgeführt und der Schuldner in die Wohlverhaltensphase entlassen.

III. Das Verbraucherinsolvenzverfahren
Waren die ersten beiden Schritte nicht erfolgreich, wird das Insolvenzverfahren gegen den Schuldner eröffnet. Dieses teilt sein gesamtes Vermögen auf die Schuldner auf. Im Anschluss folgen die Wohlverhaltensphase und die Restschuldbefreiung.

IV. Die Wohlverhaltensphase mit Restschuldbefreiung
Während der Wohlverhaltensphase verteilt der gerichtliche Treuhänder das pfändbare Einkommen des Schuldners an seine Gläubiger. Das Einkommen innerhalb der Pfändungsfreigrenze darf er behalten, um weiterhin sein Leben bestreiten zu können. Dieser Zustand dauert sechs Jahre an. Anschließend werden ihm die restlichen Schulden erlassen. Die Gläubiger können aus den im Insolvenzverfahren behandelten Forderungen keinen Titel zur Zwangsvollstreckung mehr erwirken.

Verkürzung der Wohlverhaltensphase
Die Wohlverhaltensphase kann seit dem Jahr 2014 verkürzt werden. Dabei wird dem Schuldner ein Jahr erlassen, wenn er die Verfahrenskosten in diesem Zeitraum begleicht. Dazu muss er sein unpfändbares Einkommen aufwenden.

Die Verkürzung des Insolvenzverfahrens auf drei Jahre setzt voraus, dass der Schuldner innerhalb der ersten drei Wohlverhaltensjahre 35 % seiner Forderungen und die gesamten Gerichtskosten bezahlt.

Auflagen während der Wohlverhaltensphase
Während der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner Auflagen erfüllen. Diese sind:
• Die Arbeit in einem angemessenen Beruf oder das Bemühen darum.
• Geld, das ihm aus Erbschaften zufließt, zur Hälfte an den Treuhänder zu geben.
• Den Wechsel der Arbeitsstelle oder des Wohnsitzes sofort zu melden
• Umfassend und ehrlich Auskunft über seine Einnahmen und sein Vermögen zu geben.
• Zahlungen nur an den Treuhänder zu leisten. Kein Gläubiger darf bevorzugt werden.
• Er verpflichtet sich dazu, während der Wohlverhaltensphase keine neuen Schulden zu machen (auch keinen Kredit von Privat)

Kommt es nach der Restschuldbefreiung erneut zu einer Zahlungsunfähigkeit, kann der Schuldner erneut ein Insolvenzverfahren beantragen.

Konsequenzen einer Insolvenz: Sind alltägliche Geschäfte noch möglich?

Im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren und der Wohlverhaltensphase kommen viele Fragen auf. Ist es noch möglich, eine Kreditkarte oder einen Kredit zu erhalten? Ist das Leasing eines Autos oder der Abschluss eines Mobilfunkvertrages noch möglich?

Für die Restschuldbefreiung muss sich der Schuldner dazu verpflichten, während der Wohlverhaltensphase keine neuen Schulden zu machen. Daraus ergibt sich, dass innerhalb dieses Zeitraums Kredite und Kreditkarten tabu sind. Kreditkarten haben in der Regel zwar nur eine kurze Kreditlaufzeit von maximal einem Monat bis zu Abbuchung. Dennoch handelt es sich nichtsdestotrotz um einen Kredit.

Neue Leasingverträge dürfen im Insolvenzverfahren nicht eingegangen werden. Bestand der Vertrag bereits vor der Verfahrenseröffnung, wird die finanzierende Bank einer der Gläubiger. Das bedeutet, dass sie eine Mitteilung über die Eröffnung des Insolvenzverfahren erhält. Es steht ihr damit frei, den Leasingvertrag zu kündigen. Der Schuldner verliert in der Folge sein Auto. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass ein Verwandter oder Freund in den Leasingvertrag eintritt. Dazu muss er ihn in der Originalfassung übernehmen. Anschließend kann er das Fahrzeug dem Schuldner zur Benutzung überlassen.

Der Abschluss eines Mobilfunkvertrages ist in Absprache mit dem Treuhänder möglich. Allerdings verlangen die meisten Telefongesellschaften vor dem Abschluss eines neuen Mobilfunkvertrages eine SCHUFA-Auskunft. In dieser ist das eröffnete Insolvenzverfahren gelistet. Meist ist dieser Punkt ein Ausschlusskriterium für das Neukundengeschäft.

Die SCHUFA-Auskunft und das in ihr vermerkte Insolvenzverfahren verhindert oder erschwert viele Geschäfte: Ein Kontokorrentkredit ist nicht mehr möglich. Das Anmieten einer Wohnung wird nahezu unmöglich. Der Grund dafür ist, dass niemand einen Vertrag mit einem Zahlungsunfähigen eingehen möchte und gesetzlich auch nicht darf.

Welche Alternativen gibt es, um am Sozialleben teilhaben zu können?

Dem Schuldner im Insolvenzverfahren bleiben nicht viele Alternativen zu den oben genannten Geschäften. Ein abbezahltes Auto darf er nur behalten, wenn ihm sein Arbeitgeber bescheinigt, dass er es für die Berufsausübung braucht. Ansonsten geht es in die Insolvenzmasse ein. Daraus folgt, dass er dem Treuhänder sein eigenes Auto abkaufen darf. Ansonsten wird es anderweitig verwertet.

Statt einer Kreditkarte kann er eine Prepaid-Kreditkarte beantragen. Auf dieser muss zuerst Guthaben eingezahlt werden. Danach kann sie genauso verwandt werden wie eine „echte“ Kreditkarte.

Die Bank streicht den Kontokorrentkredit spätestens mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das Konto wird daraufhin auf Guthabenbasis geführt. Personen, die ein Insolvenzverfahren befürchten, sollten ihr Girokonto in ein so genanntes P-Konto ändern lassen. Dieses stellt sicher, dass das Guthaben bis zur Pfändungsfreigrenze verfügt werden kann. Allerdings verlangen viele Banken für die Führung eines P-Kontos zusätzliche Gebühren.

Statt eines Mobilfunkvertrages bietet sich eine Prepaid-Karte an. Das Geld für die Telefongesellschaft wird hierbei im Voraus bezahlt. Dem Schuldner bietet ein Prepaid-Tarif im Gegenzug eine bessere Kostenkontrolle und Kalkulierbarkeit.

Nach dem erfolgreichen Bestehen der Wohlverhaltensphase werden dem Schuldner die übrigen Schulden erlassen. Das Insolvenzverfahren wird in der SCHUFA als „erledigt“ vermerkt. Nun kann er theoretisch wieder alle Geschäftigen erledigen. Aber trotzdem finanzieren Kreditinstitute auch nach der Insolvenz nur ungern. Nach der überwundenen finanziellen Krise sehen sie eine erhöhte Gefahr für weitere, zukünftige Zahlungsschwierigkeiten. Die gängigen Reaktionen auf einen Kreditantrag reichen in der Folge von einem Zinsaufschlag bis zur Kreditablehnung.