Günstigere Kredite – ein Risiko für bereits Verschuldete

Günstigere Kredite – ein Risiko für bereits Verschuldete

Gerade erst hat die Europäische Zentralbank den Leitzins auf 0,05 Prozent gesenkt. Damit besteht für Kreditinstitute die Möglichkeit, sich zu noch nie da gewesenen günstigen Konditionen Geld bei der Zentralbank zu leihen. Hierdurch sollen die Kreditgebenden angehalten werden, ihren Kunden günstigere und größere Kredite zu gewähren. Diese Entwicklung macht es für Unternehmen wie Privatpersonen attraktiv, sich für größere und kleine Projekte Geld zu leihen, das sonst mühevoll angespart werden muss. Nach Erhebungen der Schufa ist das Interesse an Krediten groß, im Jahr 2013 wurden 20,2 Millionen Anfragen von Banken an die Schufa gestellt. Die Abschlusszahlen für Ratenkredite sind dabei mit 7,7 Millionen nur leicht angestiegen. Die hohen Anfragezahlen sind Indikator dafür, dass Verbraucher immer mehr verschiedene Angebote vergleichen, bevor sie sich für ein Kreditangebot entscheiden. Allerdings enthält die Differenz von Anfragen und Abschlüssen auch diejenigen, die keinen Kredit erhalten haben, weil sie bereits eine zu hohe Schuldenlast besitzen.

Das Beispiel Berlin

Allein im Jahr 2013 entfielen von 91.200 Verbraucherinsolvenzverfahren 4.043 auf die Bundeshauptstadt Berlin. Für das Vorjahr verzeichnete Berlin 4.476 Privatinsolvenzverfahren. Im Jahresvergleich zeichnet sich also ein Rückgang um 433 Verfahren ab. Ein positives Signal dafür, dass nicht jede Schuldenproblematik direkt in einem Insolvenzverfahren enden muss. Schon vor dem Schritt der persönlichen Insolvenz kann die finanzielle Situation gerettet werden. Für Hauptstadtbewohner ist die Schuldnerberatung Berlin eine gute Anlaufstelle. Die nach § 305 INSO ausgezeichnete Beratungsstelle steht mit kompetentem Fachpersonal sowohl Privatpersonen als auch Unternehmern und Selbstständigen in finanziellen Krisensituationen kompetent zur Seite. In zunächst unverbindlichen Beratungsgesprächen können Hilfesuchende sich persönlich oder telefonisch an die Mitarbeiter der Schuldnerberatung wenden, bevor sie sich für einen endgültigen Weg aus der Notlage entscheiden. Hierbei werden die persönlichen Hintergründe und die Ursachen für die derzeitige Situation aufgenommen und analysiert.

Der Weg zur Beratung

Die Gründe für Überschuldungen sind genauso vielfältig wie ihre Auswirkungen. Arbeitslosigkeit kann gleichermaßen ein Grund für eine hohe Schuldenlast sein wie eine teure Scheidung. Aber auch zahlungssäumige Auftraggeber oder Krankheit können zu einer finanziellen Überlastung führen. Oft haben Betroffene das Gefühl, dem Berg an wachsenden Forderungen ohnmächtig gegenüber zu stehen. Andere verdrängen die Problematik allerdings und versuchen, mittels Onlinekrediten an mehr Geld zu kommen, in der Hoffnung, so die Schwierigkeiten langfristig unter Kontrolle zu bringen. In der Schuldnerberatung werden erst einmal die Forderungen übersichtlich zusammengestellt, um die Gesamtmasse zu errechnen. Im Anschluss daran werden die finanziellen Eingänge des Betroffenen ebenso addiert und mit der monatlichen Belastung gegengerechnet. Entscheidet sich der Ratsuchende für einen Schuldenabbau ohne Privatinsolvenz, nimmt der zuständige Mitarbeiter der Beratungsstelle Kontakt mit den einzelnen Gläubigern auf und versucht, einen für den Schuldner tragbaren Rückzahlungsplan zu vereinbaren. Die Vermeidung eines Insolvenzverfahren ist dabei oberstes Ziel der Schuldnerberatung, soweit dies wirtschaftlich sinnvoll und überhaupt möglich ist. Ist eine Insolvenz nicht zu umgehen, steht die Schuldnerberatung Berlin auch bei der Antragsstellung für ein Verbraucherinsolvenzverfahren unterstützend zur Verfügung.

Günstige Kredite als Risiko

Für diejenigen, die zwar schon eine hohe Schuldenlast besitzen, aber noch kreditwürdig sind, stellt die Senkung des Leitzinses durch die EZB und die damit verbundene Möglichkeit, günstig an einen Kredit zu gelangen, ein erhebliches Risiko dar. Schnell kann durch die Aufnahme eines weiteren Kredites eine Überschuldung eintreten und damit wächst auch die Gefahr einer Insolvenz. Vor der Aufnahme eines weiteren Kredits ist also anzuraten, die monatlichen Belastungen durchzurechnen und abzuwägen, ob ein neuer Kredit wirtschaftlich tragbar ist. Im Zweifelsfall kann ein Termin bei der Hausbank oder einer Schuldnerberatung sinnvoll sein, bei der ein Dritter die eigenen Finanzen begutachtet und dabei Möglichkeiten für einen Weg ohne weiteren Kredit aufzeigt.