Eine kurze Geldgeschichte

Bargeldverbot – Die Finanzwelt befindet sich erneut in einem Umbruch. Das Bargeld, wie es heute bekannt ist, entwickelte sich über die Jahrtausende. Am Anfang stand der Tauschhandel von Naturalien, der dann mit dem Einsatz von „Geld“ vereinfacht wurde. Dabei musste es sich nicht um Münzen handeln. In manchen Regionen Afrikas und Asiens werden beispielsweise auch heute noch Muschelketten als Zahlungsmittel akzeptiert. Dabei zeichneten sich die Zahlungsmittel stets durch einen gewissen Seltenheitswert und die Fälschungssicherheit aus.

Beides sind Aspekte, die in der fortlaufenden Entwicklung des Geldes besonders wichtig waren. Man bedenke beispielsweise die römischen Münzen und, viele Jahrhunderte später, die deutschen Regionalwährungen wie den Heller. Die Seltenheit wurde über exklusive Münzprägerechte gewährleistet, Fälschungen wurden durch das Material selbst verhindert. Selbstverständlich gab es damals diverse Versuche den Edelmetallgehalt der Münzen zu senken um mehr Geld herstellen zu können. Da die Münzen aus Metall waren, das, jedes für sich, spezielles Eigenschaften hat, wurden diese Betrügereien jedoch zügig entdeckt.

Mit dem Wachstum des Finanzsektors stieg der Bedarf nach „billigem“ Geld – das Bargeld durfte in der Herstellung nicht mehr so wertvoll sein. Die Konsequenz war eine Golddeckung des Geldes. Für die Herstellung einer bestimmten Menge (Papier-) Geld musste eine entsprechende Menge an Gold zurückgelegt werden. Anfangs war nahezu jede Währung durch die nationale Bank mit einer Golddeckung versehen.

Mit dem Aufstieg des US-amerikanischen Dollars und einer starken wirtschaftlichen Abhängigkeit wurde die direkte Golddeckung der einzelnen Währungen zu Gunsten einer indirekten Golddeckung durch US-amerikanische Devisen aufgegeben. Im Jahr 1971 hob der amerikanische Präsident Nixon die Golddeckung auf, weil sie ihn daran hinderte, seine Kriegskasse ausreichend zu füllen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ein Negativzins undenkbar, denn das Geld hatte einen inneren Wert, der nie auf null sinken könnte. Seit dem sind jedoch alle Währungen weltweit ungedeckt. Sie erhalten ihren Wert auf dem Devisenmarkt, auf dem Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Die Goldreserven der Nationalbanken spielen für die Geldschöpfung und den Geldwert keine Rolle mehr.

Golddeckung

Bild: Goldreserven werden für Geldschöpfung unbedeutend
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Das Bargeld und das Buchgeld

In Deutschland wird das Geld an zwei Orten „gedruckt“: Einmal bei der deutschen Bundesbank, die tatsächlich für die Schaffung von Bargeld sorgt, indem sie Bundesanleihen herausgibt und zurückkauft. Die zweite, viel größere Geldquelle, ist jedoch der private Finanzsektor. Banken müssen nur eine Eigenkapitalquote von 8 % halten. Das bedeutet, dass sie 92 % des Geldbestandes in ihrer Bilanz als Kredite herausgeben können. Diese werden mit Zinsen zurückbezahlt, die wiederum zu einem Mengenwachstum von Geld führen. Die Geldschöpfung von Banken findet nur in den Büchern statt – daher wird dieses Geld als Buchgeld oder Giralgeld bezeichnet. Solange es auf Konten liegt, ist es nicht real. Es handelt sich nur um ein Auszahlversprechen der Bank, das die Kunden größtenteils nicht in Anspruch nehmen. Statt dessen legen sie ihr Geld einerseits wieder an oder bezahlen damit Rechnungen per Überweisung oder Lastschrift.

Dieses System funktioniert, solange die Kunden dem Geldsystem und ihren Banken vertrauen. Schwindet dieses Vertrauen in Krisenzeiten, können Entwicklungen wie zuletzt bei der Eurokrise in Griechenland beobachtet werden: Die Kunden hatten Angst um ihre Einlagen und hoben das gesamte Geld ab. Die Folge dieses Bank Runs war eine vorzeitige Schließung von Banken und strenge Auszahlbeschränkungen, die teilweise auch zehn Jahre nach Beginn der Krise noch in Kraft sind.

Der Zins als Preis für Geld

 Da das Geld keinen inneren Wert mehr hat, berechnet sich sein Preis aus Angebot und Nachfrage. Steigt das Angebot, sinkt der Zins. Seit der Finanzkrise, die 2007 ihren Anfang in den USA nahm, sanken die Leitzinsen weltweit. Der Grund hierfür war ein enormer staatlicher Kapitalbedarf um die Wirtschaft zu stützen. Einerseits wurde das neue Geld für diverse Unterstützungsprogramme wie den EFS und die Bankenrettung benötigt. Andererseits sollte die Konjunktur mit günstigen Krediten angeregt werden. Steigt der Zins dagegen, werden Kredite für die Wirtschaft und Privathaushalte weniger attraktiv – größere Investitionen werden dann aufgeschoben. Es wird wieder attraktiver zu sparen und mit der Geldanlage einen Ertrag zu erwirtschaften.

Welche Effekte hat ein Negativzins?

Wahrscheinlich zum ersten Mal seit der Entstehung des Zinssystems sehen sich Banken, Unternehmen und sogar wohlhabende Privatpersonen mit dem Negativzins konfrontiert. Statt also Geld mit Spareinlagen zu verdienen, wird das Sparen bestraft. In den vergangenen Jahren verzehrte in erster Linie die Inflation die gezahlten Zinsen konservativer Spareinlagen. Die Kaufkraft nahm also während der Laufzeit ab statt zu. Mir negativen Zinsen geht dieser Vorgang direkter und schneller voran. Die Banken, die für ihre eigenen Einlagen bei der Europäischen Zentralbank EZB Strafzinsen bezahlen müssen, geben diese Kondition an ihre Kunden weiter. Da die EZB eine europäische Institution ist, profitieren also die europäischen Staaten direkt vom Negativzins. Bei den hohen Volumina, die die Geldhäuser bei der EZB „parken“, kommen bereits an dieser Stelle ansehnliche Summen zusammen.

Darüber hinaus machen Negativzinsen das Sparen unattraktiv. Statt für das Aufschieben des Konsums mit Zinsen belohnt zu werden, werden die Kunden dazu genötigt ihr Geld auszugeben. Ansonsten müssen sie hinnehmen, dass ihr Vermögen sinkt ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Kredite werden ebenfalls sehr attraktiv, da sie in einem negativen Zinsniveau sehr günstig sind. Bereits heute werden Privatkredite mit einem Zinssatz von 0,0 % p.a. vergeben. Auch die geförderten Sanierungskredite der Länder sind inzwischen zinslos und gewähren sogar einen Tilgungserlass, wenn gewisse bauliche Richtlinien eingehalten werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei einem verstetigten Negativzins positive Zinsen auf Kredite bezahlt werden könnten. Dies würde bedeuten, dass Kreditnehmer weniger Geld zurückbezahlen müssten, als sie aufgenommen haben.

Effekte auch auf dem Immobilienmarkt

Der Niedrigzins hat zu einem Anbietermarkt in weiten Teilen der Immobilienbranche geführt. Die Wohnkosten sind gestiegen, ebenso die Kosten für Gewerbeflächen. Durch die Grunderwerbssteuer profitiert der Staat erneut von den niedrigen oder negativen Zinsen. Im Jahr 2016 nahm er über 10 % mehr Grunderwerbssteuer ein. Unternehmen geben des Weiteren Kostensteigerungen an ihre Kunden weiter. Diese müssen mehr für die Produkte bezahlen. Der Staat profitiert direkt von Preissteigerungen am Markt, da er mit der Mehrwertsteuer daran beteiligt ist. Allein im Jahr 2016 nahm der Bund über 217 Milliarden Euro mit der umsatzabhängigen Steuer ein.

Diese Beispiele zeigen, dass der Staat auf vielfältige Weise von einem Negativzins profitiert. Er kann seine Verschuldung senken, indem er den Konsumverzicht und ein vorsichtiges Anlageverhalten seiner Bürger mit Negativzinsen sanktioniert. Dabei war aus staatlicher Sicht die Gelegenheit noch nie so günstig, die eigene finanzielle Situation zu verbessern und eigene aufwändige Projekte zu finanzieren. Einerseits kann er sich selbst das Geld am Mark extrem günstig leihen. Andererseits profitiert er von den Negativzinsen, die die Banken für ihre Einlagen zahlen müssen und von den Mehreinnahmen durch Steuern, die an den Konsum gekoppelt sind. Da trifft es sich gut, dass die aktuelle Generation das gewaltigste Sparvermögen aller Zeiten angehäuft hat.

Wer profitiert vom Bargeldverbot?

Bargeldverbot und Negativzins

Bild: Bargeldverbot und Negativzins – Die Deutschen werden immer transparenter
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Das Bargeldverbot wäre der nächste logische Schritt in der Entwicklung des Geldes. Das ungedeckte Papier- und Münzgeld würde vollständig vom Giralgeld abgelöst werden. Die Geldabschaffung wird mit den Argumenten der höheren Bequemlichkeit beim Bezahlen, der sinkende Anteil von Bargeldzahlungen im Alltag, der besseren Verfolgbarkeit von Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und anderen Straftaten sowie, im Besonderen, der Verhinderung der Terrorismusfinanzierung beworben. Realistisch betrachtet, bekommen Terroristen jedoch keine Lohntüte. Die Geldströme, die Straftaten dienen, sind bereits jetzt nahezu vollständig giral. Eine Verbesserung der Aufklärungsquote oder die Verhinderung von Terrorismus wird mit dem Bargeldverbot nicht möglich sein.

Der Schluss liegt nahe, dass es bei dem Bargeldverbot eher um die Belange des Staates und seiner Institutionen geht. Ohne Bargeld wäre jeder Zahlungsfluss einfach nachzuverfolgen. In Kombination mit der, vor kurzem beschlossenen, weiteren Aufweichung des deutschen Bankgeheimnisses ergäbe sich der „gläserne Mensch“. Auch wenn es nichts zu verbergen gibt, bleibt ein schales Gefühl, dass das Finanzamt und andere Behörden alles über das eigene Leben weiß.

Welche Folgen hätte ein Bargeldverbot?

Das Bargeldverbot würde in Verbindung mit einem Negativzins dazu führen, dass alles vorhandene Sparguthaben ausgegeben werden müsste. Es würde für den Kauf von Wertpapieren verwandt werden um Rücklagen zu bilden und ansonsten verbraucht werden. Ohne einen Guthabenzins gibt es keinen Grund, das Geld auf einem Konto zu halten. Fehlt darüber hinaus die Möglichkeit, das Geld durch das Abheben physisch verfügbar zu machen, kann es vor einem Strafzins nicht geschützt werden. Die staatlichen Einnahmen würden durch den Negativzins und gestiegene Steuereinnahmen noch stärker sprudeln.

Langfristig würde das gesamte Kapital der Haushalte aufgezehrt werden. Da sie keine Rücklagen mehr bildeten, hätten sie kein finanzielles Polster für unerwartete Ausgaben mehr. Dies würde dazu führen, dass größere Ausgaben durch Kredite finanziert werden müssten. Diese Entwicklung könnte sich durch eine positive Verzinsung auf Kreditkonten beschleunigen. Nach und nach hätte jede Privatperson eine Kreditlinie, über die sie verfügen dürfte. Es wäre also eine Art von „negativem Guthaben“. Doch im Gegensatz zu echtem Guthaben ist ein Kredit immer ein Entgegenkommen der Bank. Daher könnte sie oder eine staatliche Einrichtung Änderungen der Kreditlinie verfügen – anhand noch nicht absehbarer, individueller Kriterien. Dringend Tatverdächtigen einer Straftat könnte man das Konto einfrieren. Ohne Bargeld wäre eine Flucht über weitere Strecken ausgeschlossen.

Egal ob Straftäter, potentieller Straftäter oder unbescholtener Bürger – der staatlichen Willkür wären keine Grenzen gesetzt.

Es geht aber noch schlimmer!

Denkbar wären allerdings auch Zahlungsbeschränkungen in bestimmter Höhe oder für bestimmte Produkte, die dem Allgemeinwohl dienten: Alkoholikern könnte man das Kaufen von Alkohol verbieten, Übergewichtigen ein maximales Budget für Lebensmitteleinkäufe setzen. Die Technik ermöglicht solche individuellen Beschränkungen bereits jetzt. Das Bargeld als alternative Zahlungsmethode verhindert jedoch ihre Umsetzung. Noch kann jeder einzelne für sich entscheiden, ob er die Bankkonditionen und ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiert oder sein Guthaben abheben. Das Bargeld kann er ausgeben – oder auch nicht.